Ruhr-Universität Bochum                                                                                                                                      05.01.2004

Institut für Medienwissenschaft

WS 2003/2004

Prof. Dr. Schmitz-Emans

Prof. Dr. Beilenhoff

 
Hauptseminar: Helden

Leitung:

 

Referent: Michael Frieske

 

Bronenosec Potjomkin (Panzerkreuzer Potemkin, UdSSR 1925, Sergej M. Eisenstein)

 

zu Eisensteins Person

 

-       *23. Jan. 1898 in Riga

-       1915-1917 Studium Bauingenieurwesen in Sankt Petersburg - nebenbei starkes Interesse für Kunst und Theater

-       1917 Beitritt für zwei Jahre der Roten Armee; Bühnenbildner politischer Organisationen

-       1921 Studium an den Staatlichen Höheren Regiewerkstätten

-       1922 Übernahme der Theaterleitung des Ersten Arbeitertheaters des Proletkults in Moskau

-       1923 erster Kurzfilm „Dnevnik Glumova“; später Zuwendung zum Film in jeder Beziehung

-       Unterricht bei Kuleshow

-       1925 erster Film Streik (wird in Paris mit Preis belohnt); im gleichen Jahr: Panzerkreuzer Potemkin (gilt als einer der besten Filme, die je gedreht wurden)

-       1927 Oktober

-       1929 Die Generallinie

-       Aufenthalte im Westen: geringerer Erfolg; Rückkehr in die UdSSR: Probleme mit der Partei, Verbot seines ersten Tonfilms (1937)

-       1938 Alexander Newskij

-       1944 und 1946 letzter Film Iwan der Schreckliche, drei Teile: der zweite verboten, der dritte nicht mehr verwirklicht

-       11. Feb. 1948 in Moskau

 

Einteilung nach den klassischen Prinzipien der griechischen Tragödie in fünf Akte

 

Akt

Titel

Handlung

I Exposition

Menschen und Maden

Aufruhr der Matrosen auf der Potemkin

II Entwicklung der  

    Handlung

Tragödie auf dem Schiff

Weigerung der Matrosen ihre Suppe zu essen; Meuterei u. Entledigung der Offiziere

III Höhepunkt

Ein Toter ruft auf

Aufbahren des toten Anführers; Zusammentreffen der Einwohner Odessas; Hissen der roten Flagge

IV Katastrophe

Die Treppe von Odessa

Einwohner Odessas sympathisieren mit der Schiffsbesatzung; Übergabe von Nahrungsmittel; Einmarsch der zaristischen Soldaten; Gemetzel auf der Treppe

V Lösung

Begegnung mit dem Geschwader

Erscheinen der zaristischen Geschwader; ein Schiff sympathisiert mit Potemkin; erfolgreiche Lösung des Konflikts durch Verbrüderung

Ästhetische Mittel

 

Innerhalb der Akte erfolgt jeweils ein Spannungsverlauf

Zentrum jedes Aktes entspricht einer Achse an der zwei Situationen konfrontiert werden

 

à ästhetisches Prinzip Einsensteins: Aufeinandertreffen antagonistischer Bedeutungen = Entstehung neuer Bedeutung

 

Im Großen (der Film an sich): Ungerechtigkeit versus Gerechtigkeit, Friedlichkeit versus Gewalttätigkeit

Im Kleinen (das Einzelbild): lebendige Gestalten versus tote Gestalten, herabsteigende Soldaten versus aufsteigende Mutter

 

 

Das Kollektiv / die Masse als Held

 

-       keine konkreten Helden

-       gezeigte Personen sind keine Figuren, die innerhalb der Geschichte einen bestimmten Charakter erkennen lassen, sondern werden nur kurz gezeigt und dienen als Übermittler von gewissen Eigenschaften

-       Stattdessen: Darstellung der (Menschen-)Masse als Held

 

 

Heldenelemente nach Grimm

 

-       Masse als Held steht im Mittelpunkt

-       Masse vertritt gewisse moralische Werte: Stärke, Entschiedenheit, Mut, Tapferkeit, Ehre, Verbrüderung

-       Masse tritt gegen das zaristische System (Feind) an

-       Steigerungen: symbolisch (z. B. bei Treppenszene: Aufsteigen bestimmter Figuren)

-       Heldensymbol: Schwan auf dem Gürtel der Frau am Kinderwagen

 

 
Heldenelemente nach Odyssee

 

-       Reisemotiv

-       Erscheinung der Masse: stark, überwältigend, vorwärtsorientiert

-       Rachemotiv: Revanche der Potemkin