RUB WiSe 2003/04
Komparatistik
Seminar : A3 „Person und Figur“
Dozentin : Prof.Dr.Schmitz-Emans
Referentin : Verena Thielen
THESENPAPIER zu „Deutsche Mythologie“ von Jakob Grimm
Reader S. 116-140
Jakob Grimm (1785-1863)
Sprachwissenschaftler, Begründer der Germanistik,
Herausgeber des ersten deutschen Wörterbuches und der Sammlung deutscher
Volksmärchen
Wortbedeutung „HELD“: der
Begriff „Held“ läßt sich zu den einfachsten Bezeichnungen für „Mann“ oder
„Mensch“ zurückverfolgen; im Lateinischen ist der Begriff „heros“ für einen
göttlichen, verklärten Helden erhalten geblieben
Definition / Merkmale des Helden nach Grimm:
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Der Held ist Vermittler zwischen
Menschen und Göttern, vollbringt unsterbliche Taten, streitet gegen das Böse
und gelangt so zu göttlicher Ehre
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Helden werden unterschieden von Engeln,
Elben und Riesen, die nichtmenschlichen Ursprungs sind
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Ein Held ist die Steigerung eines
Menschen durch die Verwandtschaft mit den Göttern, vor allem in der
griechischen Mythologie wurden alle Helden durch Götter oder Göttinnen gezeugt;
jeder Held ist die Inkarnation (Menschwerdung/ Verkörperung) eines Gottes und
übernimmt wenigstens einzelne Eigenschaften dessen
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Ebenso können auch Helden wiedergeboren
werden, man unterscheidet sie anhand der Namen: Namen der Götter sind einfach
und in sich bedeutsam, Namen der Halbgötter sind zusammengesetzt oder sichtbar
abgeleitet
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Die alten deutschen Volksstämme nannten
sich nach dem mit dem Gott verwandten Helden, nicht nach dem reingöttlichen
Wesen selbst, da dies frevelhaft gewesen wäre
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Helden können übergroß und kräftig, oft
mehrhändig oder mehrköpfig sein, können sich aber auch dadurch auszeichnen, daß
sie einen Mangel an Gliedern haben, blind, stumm oder taub sind; dahinter steht
das Motiv der aus dem Mangel in der Jugend heraustretenden, leuchtenden
Erscheinung (Motiv in vielen dt. Märchen)
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Helden sind oft „Ungeborene“, per
Kaiserschnitt geborene Kinder oder solche, die bewaffnet / mit
außergewöhnlichen Gaben geboren werden; durch ihren seltsamen Eintritt in die
Welt wird ihre höhere Bestimmung deutlich
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Die Geburt eines Helden wird manchmal
durch freudige Naturereignisse angekündigt
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Helden werden oft von Tieren aufgezogen
oder haben Tiere als Helfer (Schwäne, Raben, Wölfe, Hirsche, Bären oder Löwen);
es gibt auch Helden, die mit Schwanenflügeln oder anderen tierischen
Körperteilen ausgestattet sind; Helden werden oft von klugen Pferden, die als
heilig und göttlich gelten, begleitet, mit denen sie sprechen können (siehe
„Erec“/“Parzival“)
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Wie den Göttern werden ihnen
Heldensitze oder /-wohnungen zugeschrieben
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Helden werden entweder jung
dahingerafft oder erreichen ein biblisches Alter
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Die Heldensage hat oft
Trilogiecharakter, wobei der dritte auftretende Held meist die größte Kraft hat
(ebenfalls Märchenmotiv)