Ruhr-Universität Bochum 12.1.2004
Institut für
Medienwissenschaft
WS 2003/2004
Seminar: Helden
Dozenten: Prof. Dr.
Schmitz-Emans
Prof. Dr.
Beilenhoff
Referentin: Nicole Holtz
Heldenportrait - Winnetou
1.Winnetou als klassischer Held
- besondere körperliche Fähigkeiten: große Attraktivität, besonders talentiert in für den Wilden Westen notwendigen Fähigkeiten ( Spuren lesen, schießen, reiten etc.)
- besonderes Wiedererkennungsmerkmal: Silberbüchse
- besondere Bindung zu Tieren: Pferd „Iltschi“; durch das Pferd auch besondere Verbindung zu Blutsbruder Old Shatterhand ( der den Bruder von „Iltschi“ reitet )
- Lebensaufgabe: Kampf gegen das Böse und für den Frieden; Versuch, die Indianer vor dem Untergang zu retten
-Heldentod: Winnetou opfert sich zum einem im Kampf für seine Ideale, zum anderen für seinen Blutsbruder, für den die Kugel die Winnetou trifft eigentlich gedacht war
- Prometeus- Motiv: Winnetou als Zivilisationsstifter ( Versucht die Indianer in die Kultur der Weißen einzugliedern)
- Odysseus Motive:
1. Er tritt im Buch mehrmals inkognito auf, und wird als „normaler“ Indianer von den Weißen nicht erstgenommen und unterschätzt
2. Er ist listig genug, um Fallen seiner Feinde zu erkennen und zu umgehen
3. Ständige „Irrfahrt“ durch den Wilden Westen, statt bei seinem Stamm zu bleiben
2. Winnetou der erzogene Held
- Seine Eigenschaften hat er teilweise erst durch Ausbildung durch Weiße erhalten ( Lehrer Klekih Petra und Old Shatterhand )
- Im Buch: Winnetou gibt sich mehrmals niederen Motiven wie z.B. der Rache hin, und muss von Old Shatterhand von unüberlegtem Handeln abgebracht werden
3.Unterschiede in der Darstellung Winnetous und der
anderen Indianer
- Unterschied zwischen guten und bösen Indianern teilweise durch sprachliche Ebene :
Die Guten sprechen klares Deutsch, die Bösen nur eine sehr gebrochene Sprache
- Charaktere der gegnerischen Indianer : barbarisch, rachgierig, verhärtet , kein Motiv für ihre Boshaftigkeit erkennbar
- Darstellung einer Art Rangordnung durch die Kleidung: „normale“ Indianer sind nur halb bekleidet oder in dunklerem Lederanzug. Winnetou sticht mit seinem sehr hellen Lederanzug als eine Art „Glanzlicht“ heraus
4. Wandel Winnetous in den verschiedenen Medien
1. Literatur: Wandel der Person Winnetous zwischen Mays früherer Schaffensperiode und den späteren Büchern
- Anfangs noch eher als „Wilder“ bezeichnet, wurde er im Laufe der Zeit von May immer stärker zum Edelmenschen umgearbeitet
- Winnetou muss auch Niederlagen hinnehmen ( Seine Liebe zu Ribanna wird abgewiesen, den Mörder seines Vaters und seiner Schwester bringt er nie zur Strecke )
2. Film: Darstellung Winnetous stärker idealisiert ( entspricht eher den späteren Büchern Mays )
- Jeder Schurke wird am Ende des Film zur Strecke gebracht, seine Liebe zu Ribanna wird erwiedert, muss aber zugunsten des Friedens geopfert werden ( aus edlen Motiven)
- Weniger Einfluss Old Shatterhands auf Winnetou, er ist der edle Held aus eigenem Antrieb heraus
3. Bühne: Karl May Spiele in Bad Segeberg und Elspe
- stärkere Orientierung an realen indianischen Kulturen ( z.B. Kleidung Winnetous wird denen eines echten Apachen angepasst)
- Winnetou wird weniger Übermenschlich dargestellt, Darstellung der generischen Indianer weniger eindimensional böse ( Es wird versucht, ein Motiv für die Handlungsweise zu finden)
5. Literatur:
Sudhoff, Dieter (1989) : Karl Mays „Winnetou“. Suhrkamp Taschenbuch
Oel.Willenborg, Gertrud (1973): Von deutschen Helden .Beltz-Verlag
Melk, Ulrich ( 1992 ): Das Werte- und Normensystem in Karl Mays Winnetou-Trilogie. Igel-Verlag