Ruhr-Universität Bochum                                                                                              

Seminar für Komparatistik

Seminar: Theorien Modelle Methoden: Person und Figur

Dozenten: Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans / Prof. Dr. W. Beilenhoff

Referentin: Alexa Wahl

 

 

 

 

Der Menschenschöpfer und Rebell

Prometheus bei Goethe

 

 

 

 Ursprünglich war keine Hymne sondern ein Drama mit dem Titel Pandora geplant. Dieses wurde nie vollendet, stattdessen ging aus Goethes Arbeit die Hymne „Prometheus“ hervor. Innerhalb des Dramas verzettelte er sich was die Charakterisierung des Prometheus anbelangte und das ließ ihn unbefriedigt. In den 57 kurzen Versen kam das Profil des Prometheus wie er ihn sich vorstellte zufrieden stellend zur Geltung. Und die Rezeptions- und Interpretationsgeschichte spiegeln die kraftvolle Wirkung dieser Zeilen wieder.

 

Die Hymne gilt als eine Verherrlichung eines jugendlichen Gefühls, eines Protestimpulses gegen obere Gewalten. Goethe war vierundzwanzig Jahre alt als er das Gedicht, Vermutlich im Jahre 1773, Verfasste und wird daher als energischer Ausdruck des Selbstverständnisses Goethes als jugendliches Genie gesehen

 

Wen Goethe eigentlich angreift bleibt unbestimmt: ist es Zeus sind es die Götter im Allgemeinen oder ist es der christliche Gott?

Goethe sucht sich für den lyrischen Augenblick den Menschenschöpfer Prometheus aus und lässt den Leidenden, Den Titanen den indirekt von der Pandora bestraften und den Feuer stehlenden unbeachtet.

Goethe sagt dazu er hätte sich das „alte Titanengewand“ nach seinem „Wuchse“ zugeschnitten und greife deswegen die produktive, die schöpferische Tätigkeit heraus. Damit reiht sich Goethe in die  Tradition genialer Dichter und deren Bekenntnis zur Genieästhetik ein.

Aus seiner Shakespeare-Rede von 1771 geht hervor dass er sich zu Prometheus hingezogen fühlt weil er in ihm den Prototypen des schöpferischen Künstlers sieht.

 

Die These der Identifikation des Autors mit dem lyrischen Ich  ist so alt wie das Gedicht selbst, immer noch aktuell und dennoch unzulässig (so die Meinung der Verfasserin).

Vielmehr geht es um die Darstellung eines Gefühls des Dranges nach Auflehnung welches sich in einem verletzten stolz begründet, einer Desillusionierung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gliederung und Ansätze der Interpretation:

 

 

Verse 1-20: Ohnmacht Zeus´  und der Götter

 

-         Gewitter: mythologischer Bezug, Gott konstatiert seine macht über Erde und Menschen.

-         Possesivpronomina: Einteilung der Machtbereiche Himmel und Erde

-         Distelköpfender Knabe: Entmachtung  Zeus´, Zeus in kindlicher Wut

-         Opfersteuern: Götter als die Geschöpfe der Phantasie der Ärmsten und Schwächsten ernähren sich von deren Hoffnung, Ängsten…

 

 

Verse 21-45: Erkenntnis-  und Reifungsprozess, Desillusionierung

 

-         Formale Abgrenzung: Präteritum an Stelle des Präsens

-         Geschichte seines Lebens

-         Kindheitserinnerung: auch er gehörte zu den „Beladenen“ (V. 39) und „Geängstigten“(V.41)(und ernährte somit die Götter).

-         Konjunktiv V.24: Desillusionierung

-         Das Wort „erbarmen“ und auch die Lokalisierung der Gottheit über der Sonne könnte ein Verweis auf den christlichen Gott sein. Diese Annahme verstärkt sich durch Goethes Beendigung einer Phase der Zuwendung zur pietistischen Gefühlsreligiosität.

-         „Heilig glühendes Herz“ (V.33): Figuratives Zentrum des Gedichts. Herz ist heilig weil es glüht. Stehen Glut und Feuer als schöpferische Kraft, dann ist Zeus neidisch, weil ihm diese als Geschöpf der menschlichen Phantasie fehlen.

 

 

Verse 46-57 Mögliche und tatsächliche Folgen der Desillusionierung

 

-         V.46-57 : Versuchung in der Vergangenheit, Flucht in die Melancholie.

-         V.51-57: Selbsttherapierung durch schöpferische Tätigkeit. (Gedanke Goethes)

-         Schaffung eines Menschengeschlechts, nicht die der Menschheit.

-         Autonomieerklärung eines ästhetischen Genies

-         Konflikt: kommunikative Geste/ Proportionaler Gehalt. Wählt Prometheus hier eine Instanz zum Adressaten deren Existenz er leugnet?

 

 

Ist dieses Gedicht Ausdruck eines Gefühls, so ist Ganymed das „Gegenstück“, was aber nicht heißt das in einem Menschen nicht beide walten könnten.

 

 

 

 

 

Lit.: Mülder-Bach, Inka: Prometheus. In: Goethe Handbuch in vier Bänden, Bd. 1: Gedichte. Hg. von Christine Otto und Bernd Witte. Stuttgart, Weimar 1996 107-115.

Reinhardt, Hartmut: Prometheus und die Folgen. In Goethe-Jahrbuch 108 (1991), 137-168.