WS 2003/04   RUB Hauptseminar: Helden-Figuren        Referentin: Judith Hemmen

 

Robert Bees[1], Das Feuer des Prometheus. Mythos des Fortschritts und des Verfalls. In: E. Pankow/G. Peters (Hrsg.), Prometheus. Mythos der Kultur. (München, 1999), S. 43-61

 

 

Das Thema: Der Aufsatz untersucht die Bedeutung des Prometheus für die Menschheitsgeschichte in der griechischen Mythologie.

 

Die Hauptaussage des Textes liegt darin, dass diese Bedeutung unterschiedlich ausfällt, abhängig davon, wie der jeweilige Dichter die Gegenwart deutete und den Stoff der Sage daraufhin aktualisierte. Prometheus begegnet uns daher als Betrüger, als Retter und als Feind der Menschheit. Immer aber ist er der Angelpunkt für die Veränderung der menschlichen Lebensbedingungen. 

 

Untersucht wurden: Hesiods Theogonie und Werke und Tage (ca. 700 v. Chr.), die dem Aischylos zugeschriebene Tragödie Prometheus Desmotes („Der gefesselte Prometheus“)[2](ca. 450 v. Chr.)  und das Prometheusbild der Zyniker anhand von Äußerungen des Diogenes von Sinope (ca. 350 v. Chr.).

 

Vorwissen:

Mythologie als „ideelle Geschichte der Griechen“; offen für Dichter sie so zu gestalten, dass sie eigene Ideen veranschaulichte

keine kanonische Schöpfungsgeschichte oder Vorstellung von der „Urzeit“, aber:

drei Richtungen von Annahmen:

a) Ausgang von einem paradiesischen Zustand oder „Goldenen Zeit“ hin zu einer fortlaufenden Verschlechterung

b) Ausgang von einem primitiven Zustand und Aufstieg zur fortschrittlichen, kulturellen Entwicklung

c) Ausgang von einem primitiven, aber glücklichen, Zustand und Deutung des Fortschritts als Verfall

 

Bedeutungen des Prometheus:

 

Hesiod: Prometheus als Betrüger und Unglück der Menschen

a) Theogonie: Prometheus stürzt Menschen durch Konsequenzen seines willkürlichen Betruges an Zeus ins Unglück („Zeus kann nicht betrogen werden“); b) Werke und Tage: Prometheus hat die Menschen aus einem Paradies gescheucht: jetzt müssen sie arbeiten; Blickwinkel klammert Leid Prometheus' aus.

 

„Aischylos“: Prometheus als Retter der Menschheit

(völlige Umkonstruktion der Sage nötig)

Prometheus rettet Menschen vor der Willkür Zeus' und nimmt das Leid in Kauf. Die Arbeit der Menschen ist weniger Notwendigkeit als Bedingung für ein sicheres und selbstbestimmtes Leben

(Situation: Griechenland in der Blüte seiner Macht; Tragödie spiegelt Stolz der Menschen auf eigene Leistung)

 

Zyniker: Prometheus als Menschenfeind

Prometheus brachte den (negativ bewerteten) Fortschritt, der die Menschen verweichlichen ließ und sie von ihrem glücklichen Urzustand trennte.

(Situation: Griechenland steckt in einer Krise, die bisherigen Ordnungen werden in Frage gestellt)

 

 

 

 

 

 

 



[1]    R. Bees: Studium der Klass. Philologie u. Geschichte in Würzburg. Promotion 1992. Seit 1993 Wiss. Ass.

[2]ein weiterer wichtiger Aspekt dieses Aufsatzes von Bees ist der Nachweis, dass Aischylos nicht der Autor dieser Tragödie gewesen sein konnte