RUB WS 2003/04                                                                                                                                            19.01.2004

HS: Helden

Dozenten: Prof. Dr. M. Schmitz-Emans/  Prof. Dr. W. Beilenhoff

Referent: Mark-Oliver Schröder

 

 

SAMURAI

 

  1. Ursprünge der Samuraifigur

 

-         Sie beruht auf der japanischen Kriegerklasse (genannt: Samurai), die sich im 12. Jh. etablierte, diese waren die militärischen Diener der Daimyo.

-         Hideyoshi Toyotomi führte Ende das 15. Jh. eine Reihe von Reformen ein, die auch die Samurai betrafen:

                                                               i.      sie durften als einzige Bürger Waffen tragen

                                                             ii.      sie mussten fortan ihren Wohnsitz in Burgen haben, aus Wehrpflichtigen wurden so Berufssoldaten

                                                            iii.      hatten Samurai in Friedenszeiten früher ihre Felder bestellt, so war ihnen dies nicht mehr möglich, daher wurde eine Reissteuer eingeführt.

-         von 1603 bis 1867 in der Zeit des Tokugawa- Shogunats herrschte Frieden in Japan, die Samurai waren arbeitslos und einige übernahmen Aufgaben in der Bürokratie.

-         in dieser Zeit wurde der Begriff Samurai zum Idealtypischen gesteigert und die Ethik des Bushido („Weg des Kriegers“) erlangte ihre endgültigen Inhalte.

-         1871 wurde das Feudalsystem und mit ihm die Samurai und ihre Privilegien offiziell abgeschafft.

           

  1. Samuraifigur in den darstellenden Künsten

 

-         Samurai waren schon in der Jidai-mono Spielart des Kabuki- Theaters, das 1603 entstanden ist, populär, von dort gelangten sie direkt ins frühe japanische Kino:

                                                               i.      erst als abgefilmtes Kabuki, später mit eigenem Genre: dem Jidai-geki

                                                             ii.      so ist z. B. Chushingura (Die 47 Ronin) sowohl ein populäres Jidai-mono, als auch ein bis heute immer wieder verfilmtes Jidai-geki.

 

  1. filmische Präsentation

 

-         frühe Jidai-geki entsprachen dem Muster: Guter, nobler Samurai aus der gehobenen Schicht muss gegen Bösewicht bestehen, gewinnt und stellt die „gute“ alte Ordnung wieder her.

-         In den 20er Jahren wird die Figur erneuert. Der junge Drehbuchautor Rokuhei Susukita entwickelt unter dem Einfluss amerikanischer Western einen neuen Typus des Samurai bzw. Ronin (herrenloser Samurai):

                                                               i.      sein Held kam aus der Samuraiunterschicht (z. B. in Orochi von 1925)

                                                             ii.      die Welt in der er lebte entsprach nicht mehr dem Schema Gut gegen Böse

                                                            iii.      die alte Ordnung und die damit verbundenen Werte schienen bedeutungslos

                                                           iv.      sein Held war individualisiert, sich selbst und seinem Gewissen verpflichtet.

-         diese Figur sollte nach dem zweiten Weltkrieg, z.B. durch Akira Kurosawa, wieder aufgegriffen werden.

 

 

 

 

  1. Fazit

 

-         Samurai und Ronin bieten sich durch ihren geschichtlichen Ursprung, ihren Status innerhalb der japanischen Gesellschaft, ihrer vorhandenen Ambivalenz und der damit verbundenen vielseitigen Interpretations- und Ausformungsmöglichkeiten als Held/ Antiheld perfekt an, von den frühen gesellschaftskritischen Filmen Susukitas (z.B. Orochi) und den späteren Kurosawas (z.B. Yojimbo) bis zu restaurativen Filmen a la Chushingura, oder militaristisch, faschistoiden Propaganda- und Durchhaltefilmen der Kriegsjahre.

 

  1. Filmbeispiele  (zur Figur des Ronin) 

 

-         Shichinin no Samurai (Die sieben Samurai); J 1954; R: Akira Kurosawa

-         Yojimbo (Yojimbo- Der Leibwächter); J 1961; R: Akira Kurosawa

-         Kozure Okami (Okami- Das Schwert der Rache); J 1972; R: Kenji Misumi

-         Roningai (Straße der Ronin); J 1990; R: Kuroki Kazuo

  

        

  1. Literatur / Internet

 

Richie, Donald: Japanese Cinema: an introduction. Oxford, 1990.

Richie, Donald: The Films of Akira Kurosawa. Berkeley, 1965 (3. Auflage 1998).

Schilling, Mark: Contemporary Japanese Film. New York, 1999.

Yumane, Keiko: Das japanische Kino. München, 1985.

 

            http://inic.utexas.edu/asnic/countries/japan/kabuki.html  http://www.bonnerkinemathek.de/filme/orochi

            http://www.samurai-archives.com