Zur Sitzung am 24. 11. 2003: Zusammenfassung (Schmitz-Emans)
Über differente Auslegungen des Prometheus (Robert Bees) und über die Konstruktion von „Helden des Alltags“
Schon die antiken Ausdeutungen der Prometheus-Figur belegen die Vielgesichtigkeit dieser Gestalt und die Abhängigkeit ihrer Deutung - das heißt aber nichts anderes als die Abhängigkeit ihrer Darstellung selbst - von wechselnden ökonomisch-gesellschaftlichen und kulturellen Kontexten. Helden, so bestätigt sich, sind plastische Materie. (Vgl. den Beitrag von Robert Bees.)
Die Formung von Helden-Gestalten nach Maßgabe zeit-, gesellschafts- und kulturspezifischer Bedürfnisse lässt sich zu allen Zeiten beobachten. Neue Gesellschaftsformen scheinen das Bedürfnis nach neuen Helden-Typen zu erzeugen. Die Konstruktion neuer Helden-Typen erfolgt dabei allerdings vielfach unter Verwendung alter und vertrauter Versatzstücke. Dies zeigt sich exemplarisch am Fall des „Helden der Arbeit“, einer kulturspezifischen Konstruktion, die in der jungen DDR der Nachkriegszeit entworfen wurde. Darstellungen von „Helden der Arbeit“ auf Plakaten zeigen vertraute ikonographische Muster: Sie erinnern an Delacroix’ Darstellung der Allegorie der Freiheit, die dem Volk voran schreitet, an Darstellungen des Drachentöters Sankt Michael mit der Lanze, an Darstellungen Gullivers in Lilliput. Rekurrente Bildkonzepte sind die der gigantischen Heldenfigur vor einem in stark verkleinerten Maßstab dargestellten, für die Bildaussage aber unerlässlichen Kollektiv, die Versammlung von Repräsentanten verschiedener Berufsgruppen und der Partei im Bild und andere Topoi. Aus den Darstellungen diverser Arbeits-Helden strahlt dem Betrachter wohlvertraut ein säkularisierter Heiligenschein entgegen.