Grube Morgenrot

 

Regie: Wolfgang Schleif, Erich Freund

Drehbuch: Joachim Barckhausen, Alexander Graf Stenbock-Fermor

Musik Wolfgang Zeller

88 min. s/w, 1947/48, Premiere: 9.7.1048, Babylon, Berlin

Darsteller: Claus Holm (Ernst Rothkegel), Albert Venohr (Wagner), Hans Emons (Boxer),

 

Der Film schließt sich der Tradition des proletarischen Films, wie er bereits vor 1933 durch „Kuhle Wampe“ von Slatan Dudow existierte, ein.

Erzählt die Geschichte einer Kohlegrube zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise 1930/31 im Rückblick. Die Grube schrieb damals rote Zahlen, bei dem Versuch einer höheren Ausbeute kommt es zu einem Grubenunglück und anschließender Stilllegung. Die Arbeiter wehren sich und bekommen die Grube als “Geschenk“. Ernst Rothkegel, Film-Held und Kommunist, rät den Arbeitern ab.

Der Rahmen des Films zeigt das Jahr 1946 und die Rückkehr Rothkegels in das Werk, um jetzt die Führung zu übernehmen.

 

Der Stoff war nicht neu, sondern eine lang gehegte Idee des Drehbuchautors Barckhausen, die sich erst jetzt realisieren ließ.

 

Die Ausschnitte zeigen:

 

1. Arbeit unter Tage; Einsatz der Schrämm-Maschine, die in der Grube eigentlich zu gefährlich ist, Rothkegel hat die Entscheidung zu fällen

2.     Streik der Arbeiter, nachdem die Grube geschlossen werden soll

3.     Rothkegel bei der Gewerkschaft

4.     Redesituation Rothkegel vor Arbeitern; die Grube wurde ihnen geschenkt und sie bitten Rothkegel, die Führung zu übernehmen

5.     Schlussszene -1946

 

Spiegel der Kritiken

 

Von 7 zeitgenössische Kritiken (Juli 1948 ) sind nur 2 negativ.

 

         Einzelschicksal zum typischen Beispiel verschmolzen

         Ein Film ohne Stars

         Regisseure haben gezeigt, wie man Arbeiter vor die Kamera bringt und wie man sie sprechen lässt

(Vorwärts, 10.7.1948)

 

         Es bleibt Verdienst und der Regisseure Schleif und Freund zugleich mit der Welt der Arbeit die Welt des deutschen Arbeiters für den Film entdeckt und erschlossen zu haben

         Handlung der Wirklichkeit nachgebildet

         Unvergessliche Bilder der Atmosphäre der Arbeit unter Tage

(National Zeitung, 11.7.1948)

 

 

Negativ

         Man macht den Versuch, die positive, aufbauende Kraft aktivistischen Arbeitswillens aus den negativen Ereignissen der Vergangenheit zu entnehmen, anstatt aus der greifbaren und klar umrissenen gegenwärtigen Wirklichkeit

         die Katastrophe sagt wenig darüber aus, warum die Kumpels stolz auf ihren Beruf sind und an ihm trotz aller Schwere hängen

(National Zeitung, 11.7.1948)

 

-         „Der oftmals tragische Ernst seiner menschlichen Schicksale, so schlicht und sauber sie gezeichnet sind und so wahr und eindringlich sie dargestellt werden, unterstreicht eher als dass er sie verwischte, die falsche Linie des Ganzen. Arbeitslosigkeit und Hunger, Liebe ohne Zukunft und der Gasschlauch als letzter Ausweg – das sind kaum die angemessenen Requisiten für einen Film, der mit seinen künstlerischen Möglichkeiten durchaus das Zeug dazu gehabt hätte, das Hohelied der Arbeit von heute zu werden.“

(Tägliche Rundschau, 11.7.1948)

 

 

Unser täglich Brot (6 4:00)

 

Regie: Slatan Dudow

Drehbuch: Slatan Dudow, Hans-Joachim Beyer, Ludwig Turek

Musik: Hanns Eisler

105 min., s/w, 1949,

Premiere: 9.11.1949, Babylon, Berlin

Darsteller: Harry Hindemith (Ernst, Sohn von Weber, Arbeiter), Siegmar Schneider (Peter Struwe, Maschinentechniker), Paul Bildt (Karl Weber), Inge Landgut (Inge, Webers Tochter)

 

Erzählt die Geschichte einer Familie nach Kriegsende, reaktionäre und fortschrittliche Attribute prallen, in den Personen sehr eindeutig dargestellt, innerhalb der Familie aufeinander.

Erzählt wird die Initiative Einzelner, um den schwierigen Beginn in einem zerstörten Werk zu schaffen und propagiert die Verantwortung aller.

Die Helden sind hier Ernst Weber und Peter Struwe.

 

Die Ausschnitte zeigen:

(Die einzelnen Szenen sind nicht sauber geschnitten. Bitte jeweils nur die Szenen bei der Arbeit, im Werk etc. beachten)

 

1.     Redesituation Ernst und Peter vor Arbeitern, die resignieren, da sie ohne Lohn und unter schlechten Bedingungen arbeiten

2.     Die Wissenschaftler, die die neu zu beginnende Produktion zu planen haben sind abgehauen, Ernst und Peter reflektieren

3.     Erfolgsbilanz und Schluss-Szene

 

Spiegel der Kritiken.

 

6 zeitgenössische (zwischen Nov. 1949 und Feb. 1950) – durchweg positiv, bis auf Zuschauermeinungen aus der National Zeitung mit grundsätzlich negativem Tenor

 

         Hohelied auf Tapferkeit und Heldentum der Arbeit,

         - Menschen in den Betrieben so dargestellt, wie sie sind

(Tribüne, 10.11.1949)

 

         -deutsche Situation nach 1945 in Familien und Betrieben unverfälscht

         neues Leben in Deutschland erspürt sowie neue Einstellung des Menschen zur Arbeit

(Tägliche Rundschau, 12.2.1950)

 

         Harry Hindemith (Ernst) vertritt glücklich und überzeugend das neue Gesicht des Arbeiters

(Berliner Zeitung, 11.11.1949)

 

Negativ

 

         Optimismus zu leicht gemacht

(Nationale Zeitung, 10.12.1949 – Zuschauermeinung)

 

 

Das kleine und das große Glück (12:00)

 

Regie: Martin Hellberg

Drehbuch: Paul Wiens

Musik. Fritz Steinmann

98 min., s/w,1953, Premiere: 13.11.1953, Babylon, Berlin

Darsteller: Susanne Düllmann (Erika Brandt), Winfried Ortmann (Karl Schwalk), Hans-Joachim Büttner (Stockberger), Hans Wehr (Buchner),

 

Als Liebesfilm gedacht, erzählt den Wettbewerb einer Jugendbrigade mit älteren Arbeitern. Eine Straße muss gebaut werden. Damit der Plan erfüllt werden kann, kommt der Schachtmeister Schwalk auf die Baustelle. Er ist Erfolg gewöhnt und ein Draufgänger, bei der Arbeit wie bei den Frauen. Diesmal aber schludert er, da er den Wettbewerb um jeden Preis gewinnen möchte. Es kommt zum Eklat in der Parteiversammlung und Schwalk beginnt seine Fehler einzuziehen, sich selbst zu kritisieren und zu lernen. Der Film kam in der Kritik sehr schlecht weg.

 

Forderungen nach einem DEFA-Film, der persönliches Glück mit Anforderungen des sozialistischen Aufbaus verbindet, waren laut geworden und in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Wiens musste sein weniger pathetisches Drehbuch auf Geheiß der stattlichen Leitung mehrfach ändern. Als nach dem 17. Juni 1953 der offizielle Kurs in der Kunst verändert wurde, galten die den Film bestimmenden Maßgaben bereits als veraltet.

Der Film wurde vom Publikum abgelehnt und von der Kritik verrissen

 

Die Ausschnitte zeigen:

 

1.     Auftritt Schwalk an der Baustelle

2.     Diskussion innerhalb der Jugendbrigade

3.     Betriebsversammlung; Schwalk wird kritisiert

4.     Schwalk auf seiner alten Baustelle, wo er Hilfe holt, Einsicht zeigt

5.     Schluss-Szene

 

Spiegel der Kritiken:

 

Von 8 zeitgenössische Kritiken (von Nov.1953 – Dez. 1953) 6 eindeutig negativ,

2 sprechen den guten Willen des Films an, finden aber Umsetzung negativ.

 

         Kein wirkliches Bild der Jugend und der Arbeit

         Keine echte Liebesbeziehung

(Neues Deutschland, 28.11.1953)

 

         keine Alltagsdarstellung

         nicht volksnah, volkstümlich

         keine Abbildung der Wirklichkeit

(Sonntag, 22.11.1953)

 

         Hauptfiguren Erika und Schwalk sind nicht proletarisch, nicht typisch

         Erikas Frisur und Kostüme zeigen nicht Vertreterin der Jugend von 1953

         Beziehung der Jugendbrigade zur Arbeit ist naiv und posenhaft

(Tribüne, 23.11.1953)

 

Positiv:

         Betriebsversammlung

(Sonntag, 22.11.1953)

 

-         mutige Geschichte mit echten Spannungsmomenten

-         Grundtendenz ist edel, wahrhaft und pädagogisch

-         Einige treffende Charaktere

-         Film weist den Weg zu nationalem Genre und nationaler Tradition

(Tribüne, 23.11.1953)