Ruhr-Universität Bochum
Institut für Allgemeine und
Vergleichende Literaturwissenschaft
Seminar: Theorien, Modelle, Methoden:
Person und Figur
Leitung: Prof. Dr. Monika
Schmitz-Emans/ Prof. Dr. Wolfgang Beilenhoff
WS 03/04
Referentin: Nicole Malige
Jeanne d’Arc – Heldin
einer Nation
Hundertjähriger Krieg (1339-1453) zwischen England und
Frankreich um die Krone Frankreichs
Geburt/
Kindheit
-
geboren Anfang 1412 (vielleicht 06. Jan. =
Epiphaniasnacht) in dem französischen Dörfchen Domremy – La Pucelle („Die
Jungfrau“)
-
Eltern waren die vermögenden Bauersleute Jacques und
Isabella d’Arc
-
Normale Erziehung eines Bauernmädchens: Feld- und
Hausarbeit, Nähen, Spinnen
-
Besonderheit: ihre hohe Frömmigkeit und ihr früher
Patriotismus
Stimmen:
-
Mit 13 Jahren hörte sie zum ersten Mal die
Stimmen.
-
Erkannte den Erzengel Michael à
Verkündung des Auftrags: Befreiung der Stadt Orléans und Führung des Königs
Karl VII zur Krönung nach Reims
-
Begleitung und Schutz durch die heilige Margareta
und die heilige Katharina
-
am Königshaus: Prüfung der Echtheit des
himmlischen Auftrages durch Befragungen
-
öffentliche Audienz: Jeanne erkennt Karl VII und
kann ihn von ihrem Sendungsauftrag
überzeugen
-
Jeanne bricht mit militärischem Gefolge nach
Orléans auf
-
Zwischenstation in Tour: Jeanne erhält eine
Ritterrüstung, Herrensattel und das Schwert aus der Katharinenkapelle in
Fierbois
-
In Orléans: Jeanne wird von der Bevölkerung als
Hoffnungsträger der Nation bereits als eine Heilige begrüßt
-
Bewohner greifen daraufhin selbst zu den Waffen.
-
8. Mai 1429: Sieg gegenüber den englischen Truppen
-
17. Juni 1429: Salbung und Krönung von Karl VII in
der Kathedrale in Reims
-
Jeanne stand bei der Zeremonie neben Karl
-
Jeanne zieht mit Karl VII nach Paris, um die Stadt
von den Burgundern zu befreien
-
Angriff am 8. Sept. 1429
-
Jeanne wird schwer verwundet, Rückzug der Truppen à
Jeannes erste Niederlage
-
Erhebung Jeanne d’Arcs in den Adelsstand durch
Karl
-
Verteidigung der Stadt Compiègne aus strategischen
Gründen
-
23. Mai 1430: Jeanne wird aus dem Hinterhalt von
burgundischen Truppen überwältigt und gefangengenommen.
-
November: Jeanne wird gegen 10 000 Francs an die
Engländer ausgeliefert
-
Jeanne wird nach Rouen gebracht und der Hexerei/ Ketzerei
angeklagt
-
5-monatiger Prozeß mit langen Verhören: Stammen
Jeannes Stimmen und Aufträge vom Teufel oder von Gott?
-
Karl VII greift nicht ein, weil er nicht mit einer
Ketzerin in Verbindung gebracht werden wollte
-
29. Mai 1430: Exkommunizierung und Tod auf dem
Scheiterhaufen
-
30. Mai 1430: Vollstreckung
-
24 Jahre später: Rehabilitationsprozeß auf Karls
Wunsch und einen Brief Johannas Mutter hin
-
7. Juli 1456: Urteile werden für null und nichtig
erklärt, Jeanne erhält wieder einen ehrenvollen Status
-
1909 Seligsprechung
-
1920 Heiligsprechung
è
seitdem: 30. Mai 1920 ist Nationalfeiertag in Frankreich
-
keine Dokumentation ihrer Herkunft
(Geburtsurkunde, Taufschein). Bei dem Verhör am 21. Febr. 1431 sagte Johanna, sie
glaube, jetzt ungefähr 19 J. zu sein.
à viel Raum für Spekulationen
und Phantastereien:
1.) Sie sei
vielleicht von Gott gesandt => mögl. Geburtdatum 06. Januar (Epiphaniasnacht
= Erscheinung Jesu Christi)
2.) Sie sei
die Tochter der Isabeau von Bayern Königin von Frankreich und ihres Schwagers Ludwig von Orleans, damit die
unrechtmäßige Halbschwester von Karl VII. Sie sei zu Ehrerhaltung zu der
Bauernfamilie gebracht worden. Aber das wäre den Dorfbewohnern von Domremy
aufgefallen.
à
Adelige statt Bauernmädchen! è Spekulation neueren Datums
-
Stimmenhören: Es wurde allgemein als wahrhaftig
angenommen, wenn jemand Stimmen hörte. Es war nur wichtig, ob sie von Gott oder
vom Teufel kamen.
à besondere Fähigkeiten,
besonderen Draht zu Gott
-
Jungfräulichkeit: Reinheit der Seele, des Geistes
und des Körpers. Keine wirkliche Frau, scheinbar überirdisch. Es kursierte in
der Region um Domremy die Sage, daß Frankreich durch eine Frau zerstört und
durch eine Jungfrau gerettet werde.
-
Sehr willensstarke, energische Persönlichkeit:
Johanna war immer diejenige, die auf einen schnellstmöglichen, direkten Angriff
oder auf die sofortige Krönung Karls hindrang
-
Rhetorisches Geschick: Überzeugen von hohen
Persönlichkeiten trotz ihres eigenen niedrigen Standes
-
Körperliche Kraft und Ausdauer: Rüstung, lange
Ritte zu Pferde, Kämpfe
-
Erfolge bei den Schlachten, wobei es wohl mehr
Legende ist, daß Johanna wirklich das Schwert schwingend an der Spitze der
Truppen ritt. Sie soll aber immer versucht haben, auf die Schlachtplanungen Einfluß
zu nehmen.
-
Das Schwert aus der Katharinenkapelle, das erst
verrostet gewesen sei, aber der Rost dann plötzlich leicht abzuklopfen gewesen
sei.
-
Viele Anhänger, die sie schon zu Lebzeiten tief
verehrten, ebenso die Feinde, die sie haßten.
-
Märtyrertod